w w w . f a h r r a d s u c h t . d e
w w w . f a h r r a d s u c h t . d e
Home...
  Home
Galerie
Links
Literatur
Angebote bei EBAY
Kontakt
Impressum

Workshop zur Demontage eines Rennrades

Das Demontieren von Fahrrädern ist eine recht häufig vorkommende Arbeit. Sie wird entweder durchgeführt, um Teile zu gewinnen oder es ist der erste Schritt zur Restauration.

Die folgende Vorgehensweise der Demontage eines Rennrades hat den Vorteil, dass es schnell geht und dass man keinen Montageständer braucht. Die Laufräder bleiben möglichst lange montiert. Das Rad selbst dient als Hebel zur Demontage der Bauteile, dies sich oft schwer demontieren lassen, weil sie entweder mit einem hohen Drehmoment montiert wurden (rechte Lagerschale, Pedal) oder festkorrodiert sind (Sattelstütze, Vorbau). Bei dem abgebildeten Rad handelt es sich um ein Modell von Kettler aus dem Jahr 1981 mit Alumiumrahmen. Diese Rahmen hatten damals keinen guten Ruf. Daher "schlachte" ich das Rad um an die vollständige Shimano 600 EX (Arabesque) Gruppe zu kommen, die heute schon gesammelt wird. Außerdem ist das Rad ein recht "dankbares" Objekt zum Zerlegen weil der Rahmen ja wie die Anbauteile aus Aluminum besteht. Die berüchtigte "Kontaktkorrosion" ist hier also kaum ein Thema.

 
Die Vorbereitung

Bevor das Rad demontiert wird, behandle ich mindestens die folgenden Stellen mit Rostlöser (z.B. WD-40 oder Caramba). Dies geschieht optimalerweise einige Tage vor der Demontage:

  • Die rechte Lagerschale
  • Die Sattelstütze
  • Den Vorbau
  • Den Konus des Vorbaus von unten. Hierzu demontiere ich das Vorderrad.
Zum Werkzeug:

Allgemein:

  • Ein Satz Maul bzw. Ringschlüssel SW8,9,10,12,13,14,32 (für den Steuersatz)
  • Ein Satz Innensechskantschlüssel, 4mm,5mm,6mm,8mm
  • Schonhammer
  • Saitenschneider
  • Durchschlag
  • evtl.Rohrzange für die linke Schale des Innenlagers
Spezialwerkzeug:
  • Schlüssel für die rechte Lagerschale
  • Nietendrücker
  • Kurbelabzieher
  • Werkzeug für die Innenlagerpatronen bzw. Lagerschalen bei jüngeren Rädern
Hilfmittel:
  • Rostlöser
  • Tüten für die Lagerung der Komponenten nach Baugruppen sortiert
diese Stellen behandle ich mit Rostlöser

das Asugangsobjekt
1. Demontage der Kette und der Pedalen.

Die Demontage der Kette ermöglicht es den Umwerfer und die Schaltung später leichter zu entfernen. Die Kette ist oft in einem zwar verschmutzten aber keinesfalls verschlissenen Zustand. Daher entferne ich sie vorsichtig mit einem Kettennieter. Oft sind die damals verwendeten Ketten (z.B. Sedis Gold) nicht mehr neu zu bekommen. Wenn die Kette mit dem Ritzelpaket und den Kettenblättern wieder verwendet werden soll, bietet es sich an, die Laufriechtung zu markieren. Es zeigt sich, dass die älteren fünf-, sechs- und siebenfach-Zahnkränze im Vergleich zu heutigen zehn- und elffach Zahnkränzen deutlich widerstandsfähiger sind. Die Pedale lassen sich bei demontierter Kurbel nur umständlich demontieren.

ohne Kette und Pedale
2. Demontage der Kurbeln und des Umwerfers

Zunächst demontiere ich die Tretkurbeln, wenn möglich mit dem entsprechenden Abzieher. Nach dem Entfernen der Kurbelbefestigungsschrauben befindet sich oft noch eine Unterlegscheibe in der Kurbel. Diese muss auch entnommen werden, da andernfalls das Kurbelgewinde herausgerissen wird. Falls es keinen passenden Abzieher gibt, helfen Standardabzieher aus dem Baumarkt, die allerdings an der Rückseite der Kurbel Spuren hinterlassen. Den Umwerfer entferne ich, um mich bei der Demontage der rechten Lagerschale nicht zu beschädigen.

ohne Kurbeln und Umwerfer
3. Demontage des Innenlagers

Das Innenlager wird mit der linken Seite beginnend demontiert. Für Die linke Lagerschale und den sich dort befindenden Konterring benötigt man eigentlich Spezialwerkzeug, jedoch lassen sich diese Teile wegen des Schmierstoffs im Tretlagerbereich oft sehr leicht lösen. Daher kann man hier auch die Teile mit einem Lappen umwickeln und dann mit einer Pumpenzange lösen. Wenn die linke Lagerschale demontiert ist, kann die Tretlagerwelle mit den Kugellagern nach links herausgezogen werden. Manchmal ist noch eine Hülse montiert, die das Innenlager vor Verschmutzung schützen soll. Im Zweifel verbleibt das rechte Lager zunächst in der rechten Lagerschale. Zum Schluss kommt der schwierigste Teil: Die rechte Lagerschale wird demontiert. Diese ist herstellerseitig mit einem sehr hohen Drehmoment montiert worden, daher eignet sich zur Demontage auch nur entsprechendes Spezialwerkzeug. Mit Pumpen- oder Wasserrohrzangen beschädigt man die Lagerschale oft nur ohne dass sie sich löst.

...ohne Innenlager
4. Die Anbauteile können demontiert werden

Der spannendste Teil ist erledigt; jetzt kann man die Anbauteile, wie die Schaltung, Bremsen, etc. problemlos entfernen.

die Komponenten sind demontiert
5. Lösen des Steuersatzes (der Lenker dient als Hebel)

Ich löse die obere Kontermutter des Steuersatzes und kann den noch montierten Lenker noch als Hebel benutzen.

6. Demontage des Sattels und der Sattelstütze (der Rahmen dient als Hebel)

Die Sattelstütze ist manchmal im Sattelrohr festkorrodiert, man kann dann versuchen, sie mit sanfter Gewalt zu entfernen. Hier ist es auch wieder hilfreich, dass die Laufräder noch im Rahmen sind. Wenn sich die Stütze nicht entfernen läßt, bieten sich folgende Möglichkeiten an:

  • Weiteres Einweichen mit Rostlöser;
  • Erwärmen des Sitzrohrs mit einem Heißluftfön;
  • Absägen der Stütze mit anschließendem Zerspanen (Ausreiben).
7. Demontage des Lenkers, des Vorbaus und des Steuersatzes

Hier ist es schon vorgekommen, dass der Spreizkonus des Vorbaus in der Gabel festgerostet war. Dann wird der Vorbau abgesägt und der Konus mit einem Durchschlag herausgeschlgen. Die Gabel läßt sich dadurch vielleicht retten.

...ohne Lenker, Vorbau und Steuersatz
8. Entfernen der Gabel und der Laufräder

Es macht Sinn bei der Demontage des Steuersatzes einen Lappen unterzulegen, sonst springen die Kugeln gar lustig in der Werkstatt umher...

Auch bei den Laufrädern findet man jetzt evtl. gebrochene oder verbogene Achsen.

9. Herauschlagen der Lagerschalen des Steuersatzes

Diese Lagerschalen schlage ich von innen heraus, um sie wenn überhaupt, dann im nicht sichtbaren Bereich zu beschädigen.

Steuerkopf
10. Demontage des Gabelkonusses

Dieser Konus wird ebenfalls mit einem Durchschlag entfernt. Hier ist darauf zu achten, dass das Gewinde der Gabel nicht beschädigt wird. Ich drehe hierzu die Kontermutter des Steuersatzes auf die Gabel und lege ein Stück Holz darunter.

der nackte Rahmen